Die Wunder-Gusli

Es war einmal ein Müller, der hatte einen Mühlknecht. Fleißig ging er dem Müller zur Hand. Und als er ihm drei Jahre lang gedient hatte, sprach er: „Meister, gebt mir ein Zehrgeld, ich will in meine Heimat ziehen.“
„Geld besitze ich nicht“, antwortete der Müller, „aber ich will dir eine Gusli geben. Wenn du auf ihr spielst, wirst du Wunder über Wunder erleben.“ Der Müller verstand sich nämlich aufs Zaubern.
Der Bursche nahm die Gusli und machte sich auf den Weg. Er wanderte fürbaß, und als er durch einen Wald kam, wurde er von Räubern überfallen.
„Wohin so eilig, Weißmüller?“ fragten sie.
„In die Heimat“, entgegnete er.
„Gib dein Geld her. Wenn nicht, bist du des Todes.“
„Ich habe kein Geld, wohl aber eine Gusli. Wenn ich auf ihr spiele, werdet ihr Wunder über Wunder erleben.“
„Nun, dann spiel.“
Der Mühlknecht hub an zu spielen, da mussten die Räuber tanzen und konnten nicht wieder aufhören.
„Ach, lieber Weißmüller, halt ein, halt ein, wir geben dir auch einen Sack voll Gold.“
Da hörte der Mühlknecht auf zu spielen, und die Räuber Weiterlesen

Der Alte und der Junge

Der Alte und der Junge

Zwei Jäger, ein alter und ein junger, saßen am Feuer und unterhielten sich. Worüber unterhalten sich Tierfänger? Über die Jagd und über die Jäger.
Über alles sprachen sie: wie man auf kahlem Felsen Spuren entdeckt, wie man den Fuchs aus der Höhle treibt, wie man das wilde Rentier beschleicht. Über alles sprachen sie, und in allem waren sie sich einig. Es kommt indes selten vor, dass zwei sich unterhalten und über nichts streiten. Auch die beiden Jäger gerieten in Streit: wer beim Tierfang mehr Erfolg habe – ein junger oder ein alter Jäger?
„Wie wollt ihr alten Jäger euch mit uns jungen messen!“ sagte der junge Jäger. „Ein junger hat viel Kraft. Er scheut sich nicht, mit einem starken Bären zu kämpfen!“
Der Alte lachte. „Wir alle sind in der Jugend dumm. Ist etwa der Bär des Menschen Gefährte, dass er mit ihm kämpfen könnte wie bei einem Volksvergnügen ? Ein guter Jäger weiß, wo der Bär wechselt, und hält die Pfeile bereit.“ Weiterlesen

Die vier Musikanten

Die vier Musikanten

Eines Abends kamen vier Musikanten in ein verfallenes Schloss. Der Mond beschien die geborstenen Mauern, und die Bäume reckten ihre Aste zu den Fensterhöhlen hinein.
„Freunde“, schlug ein Musikant den anderen vor. „Wollen wir den letzten Schlossbewohnern nicht ein Liedchen vorspielen?“
Die anderen waren einverstanden, und sie spielten eine lustige Weise, die seltsam in dem alten Gemäuer widerhallte. Als sie verklungen war, kam ein winziges, dürres Männlein aus einer Mauerspalte, dankte ihnen für ihr Spiel und schenkte jedem ein Nusszweiglein mit der Bitte, es den Kindern mitzubringen. Die Musikanten nahmen die Zweige, warfen sie aber unterwegs verächtlich fort und spotteten sogar über die wertlose Gabe. Nur einer steckte sein Zweiglein in die Tasche und schenkte es nach der Heimkehr seinen Kindern. Weiterlesen