Lyrik

Spruch gegen den Nachtmahr

Nachtmahr, du leilich (böses) Tier, Komme mir in der Nacht nicht hier. Alle Wasser sollst du durchwaten, Alle Bäumchen sollst du abblättern, Alle Blümchen sollst du abflücken, Alle Grübchen sollst du auslecken, Alle Sträucher sollst du durchkriechen, Alle Pfützchen sollst du aussaufen, Alle Hälmchen sollst du zählen. Komm mir in der Nacht nicht quälen.

Märchen

Die Erschaffung der Erde

Einmal, als Gott und der Böse sich über dieses und jenes unterhielten, kamen sie auf die Erde zu sprechen, wie man sie wohl machen könne. Der Böse glaubte nicht an Gottes Macht, Gott aber sagte zu ihm, er solle dahin gehen, wo die Meere zusammenstoßen und ihm den Meerschaum bringen. Gott nahm den Meerschaum, tauchte ihn ins Wasser und machte einen Fladen daraus, welcher zu Erde wurde, als er ihn fortwarf. Am Anfang war er so groß wie ein Kuchen­blech und zuletzt wie eine Tenne, in deren Mitte er einen Nussbaum pflanzte. An diesen band er eine goldene Schau­kel und begann zu schaukeln. Plötzlich schlief er ein. Da schlich sich der Böse ganz leise heran, band die Schaukel samt Gott los und beschloss, ihn ins Wasser zu werfen und zu ertränken. Er machte sich auf den Weg ans Ende der Erde, zum Wasser; er suchte mal hier und mal dort, um das Ende zu finden, aber es gab kein Ende, denn die Erde war so groß und endlos geworden. Nach einiger Zeit erwachte Gott und noch schlaftrunken, als er den Bösen sah, sprach er: »Satan, was machst du?« »Ich wollte dich ertränken und suchte das Ende der Erde«, gestand der… Weiterlesen

Märchen

Das Märchen kurz wie ein Hasenschwänzchen

Es war einmal ein Bauer, und dieser Bauer spannte seine Ochsen hinter seinen Pflug. Und als er seine Ochsen hinter seinen Pflug gespannt hatte, fuhr er mit ihnen auf sein Feld und begann sein Feld zu ackern. Da fand er auf seinem Feld ein Kästchen, und dieses Kästchen hatte einen Deckel aus Eisen. Er öffnete den Eisendeckel des Kästchens, das er auf seinem Felde gefunden hatte, als er es mit seinem Ochsen geackert, und aus dem Kästchen sprang ein Hase auf sein Feld, und dieser Hase hatte ein gar kurzes Schwänzchen. Und weil dieser Hase ein gar kurzes Schwänzchen hatte, ist dieses Märchen auch gar kurz. Wenn der Hase ein längeres Schwänzchen gehabt hätte, dann wäre auch dieses Märchen länger gewesen. So aber gehen wir nach Haus: das Märchen ist schon aus.

Märchen

Der Bär und das böse Wort

In einem Wald lebten in einer Höhle kleine Bären. Einmal war ein Mann in den Wald gekommen, um Holz zu sammeln, da war eines der Bärenkinder aus der Höhle gekrochen, blieb in einer Hecke auf einem Hügel hängen und konnte nicht mehr loskommen. Der Mann sah das, bekam Mitleid mit dem Bären, ging zu ihm und befreite ihn aus dem Strauch. Er trug ihn in die Höhle zurück und begann von neuem, Holz zu sammeln. Plötzlich kam die Bärenmutter heran, die alles gesehen hatte, und sagte zu dem Mann: »Du hast mir Gutes erwiesen; willst du, dass wir Freunde sind?« Der Mann hatte Angst, aber was sollte er machen? Er fasste sich ein Herz, und sie wurden nach und nach gute Freunde. Als er fortging, versprachen sie sich, dass er oft in den Wald kommen und die Bären an dieser Stelle suchen würde. Einmal, als sie sich voneinander trennten, umarmten sie sich, und der Mann sagte zu dem Bären: »Ach, Freund, es ist alles schön und gut an dir, aber eines taugt nicht: Du stinkst aus dem Mund!« Der Mann hatte nicht überlegt, was er sagte, und bemerkte auch nicht, dass das dem Bären weh tat. Diese Worte trafen den… Weiterlesen