Der Wolf, der dem Bauern diente

Einst lebte ein Bauer, der war bettelarm und hatte nichts zu essen als Kleiebrot. Eines Tages schickte ihn sein Fronherr in den Wald, Bruchholz zu sammeln. Der Bauer arbeitete bis zum Nachmittag, und als ihn der Hunger plagte, nahm er sein Stück Kleiebrot und wollte schon hineinbeißen. Doch er dachte in seinem Sinn: Nein, ich will es lieber an einen Ast hängen, dort mag es bleiben, bis ich die Arbeit beendet habe. Bevor ich heimfahre, esse ich es dann.

Aber als er die Fuhre voll Bruchholz geladen hatte und sich das Brot holen wollte, sah er, dass es verschwunden war. Traurig, aber nicht zu ändern. So kehrte er hungrig heim. Just zu dieser Zeit rief der heilige Juri, der Beschützer der Tiere, alles Getier zu sich und fragte ein jedes, was es an diesem Tag getrieben hätte. Eines berichtete, es habe beim Bauern ein Schwein gerissen, und ein anderes, dass es ein Kalb gefressen. Ein jedes stand Rede und Antwort. Schließlich trat der Wolf herzu und sprach: „Ich, heiliger Juri, habe einem Bauern das Kleiebrot weggefressen, das er an einen Ast gehängt hatte.“ „Wie konntest du den armen Bauern nur so kränken! Er hatte nichts als das Stück Kleiebrot, und das hast du ihm weggefressen! Sehr schlecht ist es, einen Armen zu kränken. Zur Strafe dafür wirst du dich bei dem Bauern verdingen und ihm drei Jahre lang dienen!“ Also machte sich der Wolf auf, um seine Schuld abzudienen. Er verwandelte sich in einen jungen Burschen, ging zu dem Bauern und bat: „Oheim, nehmt mich als Knecht an. Ihr braucht mir keinen Lohn zu zahlen, fürs tägliche Brot allein will ich Euch dienen.“ Weiterlesen

Die Erschaffung der Erde

Die Erschaffung der Erde

Einmal, als Gott und der Böse sich über dieses und jenes unterhielten, kamen sie auf die Erde zu sprechen, wie man sie wohl machen könne. Der Böse glaubte nicht an Gottes Macht, Gott aber sagte zu ihm, er solle dahin gehen, wo die Meere zusammenstoßen und ihm den Meerschaum bringen.

Gott nahm den Meerschaum, tauchte ihn ins Wasser und machte einen Fladen daraus, welcher zu Erde wurde, als er ihn fortwarf. Am Anfang war er so groß wie ein Kuchen­blech und zuletzt wie eine Tenne, in deren Mitte er einen Nussbaum pflanzte. An diesen band er eine goldene Schau­kel und begann zu schaukeln. Plötzlich schlief er ein. Da schlich sich der Böse ganz leise heran, band die Schaukel samt Gott los und beschloss, ihn ins Wasser zu werfen und zu ertränken. Er machte sich auf den Weg ans Ende der Erde, zum Wasser; er suchte mal hier und mal dort, um das Ende zu finden, aber es gab kein Ende, denn die Erde war so groß und endlos geworden. Nach einiger Zeit erwachte Gott und noch schlaftrunken, als er den Bösen sah, sprach er: »Satan, was machst du?«

»Ich wollte dich ertränken und suchte das Ende der Erde«, gestand der Böse. Weiterlesen